Permanente Amok- Berichterstattung erhöht Amokrisiko
Ralf Künne | 26. Juli 2009Die wiederholte Amok-Berichterstattung in den Medien (zuletzt am 23.07.2009 im ZDF) trägt mit dazu bei, die Wahrscheinlichkeit einer Amoktat zu erhöhen. Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden hätte diese Berichterstattung mit dem Hinweis auf den sogenannten Werther Effekt ablehnen können, bzw. darum bitten können, dass er nicht gesendet wird. Dies ist jedoch leider nicht geschehen. Insofern kann man dem Aktionsbündnis durchaus vorwerfen mit dazu beizutragen, die Wahrscheinlichkeit einer Nachahmungstat zu erhöhen. Der Beitrag war indes auch vollkommen unnötig, da lediglich längst bekanntes wiederholt wurde. Ein ähnlicher Bericht wurde kurz nach Verabschiedung des Gesetzes im öffentlich rechtlichen Fernsehen gezeigt.
In der Sendung ZDF.Reporter vom 23.07.2009 begann der Bericht zum neuen Waffenrecht gleich einmal mit der Video-Darstellung einer gestellten Ermordung per Schusswaffe. Dann ein wenig später wurde der Täter lächelnd in Großaufnahme gezeigt, um dann gleich auf die Opfer (in diesem Fall vermutlich Schüler der betroffenen Schule) umzuschwenken.
Wenn man heute http://www.zdf.de/ aufruft, so findet man auf der linken Seite ein Bild mit durchschossenen Scheiben (Bemerkung: Mittlerweile geändert, aber wer nach “Amok” sucht, der findet). Ein Klick darauf und man kann danach den Hyperlink Schwerpunkt auswählen. Schon finden wir wieder zahlreiche Bilder und Videos über Opfer und Täter. So bringt man vorbelasteten Jugendlichen (gleich über die ZDF-Startseite) wieder in Erinnerung, welchen Schrecken man mit solch einer Tat verbreiten kann und wie man dadurch dauerhaft (Foto+Name) im Gedächtnis der Menschen bleibt. Mit Sicherheit werde auch ich irgendwann mit 90 Lebensjahren Name und Bild des Täters sofort wiedererkennen.
Die kriminalistisch kriminologische Forschungsstelle des LKA Nordrhein-Westfalen schreibt
( http://www.polizei-nrw.de/lka/stepone/data…0/amoktaten.pdf ) unter anderem auf Seite 12 ihres Dokumentes, dass “keine Photos und Namen” weitergegeben werden sollen. Auch die anderen dort aufgeführten Präventionsmaßnahmen, zusammengestellt von Dr. phil. Frank J. Robertz ( http://www.igak.org/mitarbeiter/robertz.shtml ) wurden und werden nach wie vor von der Presse ignoriert, zuletzt eben gestern abend. Und das, obwohl bereits im Jahr 1997 der Deutsche Presserat um entsprechende Zurückhaltung gebeten hatte (Siehe Fußnote Nr. 26 auf Seite 11 des Forschungsdokuments).
Das gebührenfinanzierte ZDF scheint sich jedoch nicht für diese Zusammenhänge zu interessieren. Das ist allerdings nichts neues, denn die Fernsehsendung “Tod eines Schülers” wurde trotz massivem Protest wiederholt gesendet. Und das, obwohl die Erstausstrahlung 1981 zu einer Suizid Epedemie führte, die 175% über dem Durchschnitt lag. In der Zweitausstrahlung stieg sie um 115% an (Zum Werther Effekt vergleiche auch mit http://www.psychosoziale-gesundheit.net/ps…ie/werther.html ).
Dass wir alle mit unserem GEZ-Beitrag die Mordquote (erweiteter Selbstmord) erhöhen ist für mich ein unerträglicher Zustand. Da die Medien – offensichtlich aus Profitgier oder Profilierungssucht – keine Selbstverpflichtung eingehen, halte ich hier gesetzliche Veränderungen (Einschränkung der Pressefreiheit bei (erweiterten) Suiziden) für ein absolutes Muss. Die Pressefreiheit ist kein absolutes Grundrecht. Es muß gegen die anderen Grundrechte abgewogen werden. Genaue gesetzliche Vorgaben halte ich diesbezüglich für zwingend erforderlich. Z. Bsp. Verbot von Videos und Bildern, Verbot der Namensnennung, Vorgabe einer maximalen Anzahl von Wörtern in der Berichterstattung.
Warum das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden durch Ihre wiederholte Medienpräsenz mit dazu beiträgt, das Risiko solcher Taten zu erhöhen, ist für mich ein Rätsel. Es wäre gescheiter hinter verschlossenen Türen mit Politikern, Jägern und Schützen zu verhandeln. Ich kann jetzt nur hoffen, dass nicht wieder einer aufgrund des Fernsehbeitrags auf dumme Gedanken kommt.
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Anmerkung der Redaktion: dieser Beitrag wurde mit freundlicher Erlaubnis des Urhebers hier veröffentlicht.

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